Es ist wohl an der Zeit, daß ich mich zu einem weiteren Laster bekenne. Gelegentlich, wenn ich eine kurze Kaffeepause mache und noch darauf warte, daß meine Droge Nr. 1 endlich durchläuft, gönne ich mir ein paar erheiternde Minuten bei Metaspy und fröne hemmungslos meinem Suchmaschinen-Voyeurismus. Denen, die diese Institution nicht kennen, sei kurz gesagt, daß man bei Metaspy verfolgen kann, nach welchen Begriffen Menschen rund um den Globus aktuell bei der Suchmaschine Metacrawler forschen.
Natürlich könnte ich mit meiner Zeit tausend sinnvollere Dinge anfangen, könnte kurz noch einen Blick in den Wirtschaftsteil der FAZ werfen, ein paar Yoga-Übungen machen, online die aktuellen Schlagzeilen checken oder mich sonstwie weiterbilden. Aber manchmal möchte ich einfach ein paar Minuten nichts Sinnvolles tun, sondern sehen, wofür sich andere Menschen so interessieren (und das ist immerhin noch um Längen besser als die Wiederholungen alter Andreas-Türck-Sendungen zu gucken, denn alter Quark wird auch durch den x-ten Aufguß nicht gehaltvoller). Außerdem bringt kaum etwas meine Phantasie so in Schwung, wie ein kurzer Blick in die Welt fremder Suche.
Das erste, was man dieser Tage dabei feststellt, ist daß in Zeiten schwieriger wirtschaftlicher Verhältnisse die Sehnsucht nach ein wenig Aufheiterung sogar noch den Sexualtrieb auf einen weit abgeschlagenen zweiten Platz verdrängt. Oder wie ließe sich sonst erklären, daß das häufigste Suchwort mittlerweile nicht mehr "sex" oder "porn" sondern schlicht "jokes" lautet (es gibt natürlich auch ganz kreative Geister, die beide Bedürfnisse schlicht zu vereinen trachten und dann nach Dingen wie "funny sex pics" suchen ... nach dem Ergebnis mochte ich dann mit Rücksicht auf mein bevorstehendes Mittagessen lieber nicht sehen). Auch folgende Suche schiebe ich der Höflichkeit halber einfach mal auf die schwierigen Zeiten und nicht auf die oft besungene männliche Faulheit: "wealthy women seeking men" (und nein, das denke ich mir alles nicht aus, dieser Text ist das Ergebnis von etwa drei Minuten bei Metaspy heute mittag).
Nach fünf Minuten wundert man sich übrigens auch nicht mehr darüber, daß sich so viele Menschen über die schlechten Ergebnisse von Suchmaschinen beschweren, denn in diesem Fall wirkt sich eine, ähm, kreative Rechtschreibung besonders ungünstig auf denn angestrebten Erfolg aus. So kann man wohl kaum erwarten, daß irgendeine Suchmaschine auf die Anfrage "opimale Höhrsaäle" mit dem erhofften Ergebnis aufwarten kann (andererseits würde das natürlich das orthographische Massaker an der deutschen Sprache auf vielen Webseiten erklären; das Medium ist halt stets bestrebt, sich dem Nutzer anzupassen). Auch der getriebene "porrno"-Sucher wird so schnell wohl nicht die visuell-fleischliche Erfüllung finden.
Angespornt wird meine Phantasie allerdings erst richtig, wenn ich auf ominöse Dinge wie "Stidug" (eine moderne Variante des lindgrenschen Spunk?), "bin chraker" (eine Kamasutra-Stellung oder doch eher ein halbheiliger indischer Wanderprediger?) oder "ichy iktestus" (klingt bedenklich nach einer unangenehmen Geschlechtskrankheit, vermutlich der Fachausdruck für genitale Beulenpest) stoße. Wohin soll mich die Suche nach "oh uh" führen (in ein Synchronisations-Studio für einschlägige Erwachsenenbildungsfilme?). Was ist eine "Damen Zeitschrift" - fahndet man damit nach der Frau im Spiegel oder doch eher nach dem Penthouse? Und seit wann gibt es "palm pilot porn" oder "three breast women"? Leider habe ich nie die Zeit, diesen Mysterien auf die Spur zu kommen, denn schon ist meine 15-Sekunden-Chance vertan, die Seite erneuert sich von selbst und spuckt bereits die nächsten Wortschöpfungen aus.
Viel Vergnügen bereitet es allerdings auch, sich vorzustellen, was das wohl für ein Mensch hinterm Rechner sein mag, der Begriffe wie "female rectum pictures" (ein Schelm, wer böses dabei denkt, denn es handelt sich hierbei natürlich um einen Allgemeinmediziner, der grad sein Anatomiebuch verlegt hat) eingibt oder grad nach "russian brides" sucht. Aber vielleicht ist das derselbe, der vorher kurz noch mal nach "nose surgery NY" gesucht hat, um sich statt des Anzugs für die erhoffte Hochzeit die Nase maßschneidern zu lassen. Wozu jemand aber in Zeiten der weltweiten Terrorgefahr einen "black powder measuring spoon" benötigt, möchte ich mir lieber nicht vorstellen. Vermutlich ist das auch die Person, welche soeben die "anti-demolition-socks" bestellen wollte, um damit sicheren Fußes durch seine kleine Werkstatt zu stiefeln.
Bevor ich mich hier aber darin verliere, ganze Geschichten aus fünf beliebigen Sucheingaben zu entwickeln, will ich Euch lieber noch mein Highlight der heutigen Suche verraten. Ganz harmlos, aber doch von ungeheurem Charme geprägt: "Kirchenkönigin Gladenbusch".
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