Man weiß ja nicht so genau, was nun den größeren Effekt hat, der leidige Gen-Pool oder die oft noch leidigere Erziehung. Sicher ist nur, daß beides an erstaunlicher Stelle durchschlagen und schmerzlich die enge Verwandtschaft verraten kann. Diese Erfahrung mußte zumindest Maximilian machen, als er am Samstag mit seiner Mutter zum Möbelkauf in der Stadt war.
Auf dem Rückweg lief vor ihnen eine junge Frau die Treppen am Hauptbahnhof hoch. Sie trug schwarze Lackstiefel und dazu einen extrem kurzen Ultra-Mini-Rock, der auch dem hartgesottensten Kostverächter das Blut in die Wangen getrieben hätte. Mutter und Sohn wechselten kein Wort, sahen sich nicht an, hatten aber sofort denselben Gedanken: Was trägt frau unter einem solch knappen Stück Stoff?
In der nächsten Sekunde, und wieder ganz ohne Absprache, beugten sich beide (!) halbkniend nach vorn, um der jungen Dame unverfroren unter den Rock zu schielen. Leider beugten sich beide dabei ein wenig in die Richtung des jeweils anderen und stießen auf halbem Weg gut hörbar und sicherlich recht schmerzhaft mit den Köpfen aneinander.
Was die junge Frau unter dem Rock trug, ist bis heute nicht bekannt, aber an der engen Beziehung zwischen Maximilian und seiner Mutter bestehen wohl keine Zweifel mehr.
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