Liebe Steffi nebst Kolleginnen und Kollegen,
ich habe natürlich keine Ahnung, welche sicherlich sehr widrigen Lebensumstände Euch dazu zwingen, wenig verführerische Mails in zahllose unschuldige Haushalte zu verschicken, aber allmählich ist mein recht zarter Geduldsfaden reichlich porös geworden, denn meine eigenen Lebensumstände werden durch Eure Tätigkeit nicht unbedingt verbessert.
Daher wäre es ganz reizend von Euch, wenn Ihr endlich mal einige grundlegende Fakten zur Kenntnis nehmen würdet: Ich bin eine Frau. Jawohl! Und mit dieser wenig erstaunlichen Tatsache geht auch einher, daß ich eine denkbar ungeeignete Kandidatin für Penis-Vergrößerungen bin.
Die Männer, die so im Laufe der letzten zehn Jahre durch mein Leben gezogen sind, hatten sicherlich alle ihre Makel, aber die drei inches, die Ihr versprecht, hätten ihre Halbwertzeit auch nicht nennenswert verlängern können. Solltet Ihr einen einfach Weg finden, Vernunft, Verstand, Respekt und Takt zu implantieren, dürft Ihr mir gerne erneut schreiben. Vorher aber nicht.
Glaubt mir einfach, ich brauche Eure zusätzlichen inches nicht. Sollte ich je das Verlangen entwickeln, einen eigenen Penis rechts- oder linksliegend in der Hose spazierenzuführen, dann würde ich doch eher auf einen dieser praktischen Umschnallphalli zurückgreifen, die man entlang der Reeperbahn an jeder Ecke erwerben kann.
Und wenn ich eines Tages doch wider Erwarten den Verstand verlieren und den unbezähmbaren Drang verspüren sollte, meine sekundären Geschlechtsmerkmale durch einige inches aufzuwerten, dann gehe ich einfach einige hundert Meter die Straße hoch und stehe schon vor jener Beauty-Klinik, die bereits auf RTL 2 vielen anderen armen Seelen zur vermeintlichen Glücksseeligkeit verhelfen durfte.
Aber nun zu Dir, liebe Steffi, die Du mir in den letzten Tagen so ans Herz gewachsen bist, daß ich fast gewillt bin, Dir einen kostenlosen Sprachkurs angedeihen zu lassen, damit man Dein Anliegen auch ohne mehrfaches Lesen und einen Zwerchfellriß verstehen kann ("Mein Freund will einfach nicht mehr mit mir schlaffen, aber ich bin auch in 7 Monat noch sehr gelänklich, und was der Sex angeht sehr experimentier Freudig").
Zunächst finde ich es sehr erfreulich, daß Du Dich als Frau anpreist, mit der man viel Erotik erleben kann (auch wenn Du die Anrede ruhig etwas geschlechtsneutraler formulieren könntest). Es gibt nämlich viel zu wenig bisexuelle Frauen, die derart offen mit ihren Wünschen umgehen (vielleicht könntest Du Dich trotzdem etwas zügeln und nicht versuchen, diesen Makel durch fünf identische Mails am Tag auszugleichen). Aber ich ziehe es trotzdem vor, meine Bettgenossen und -genossinnen in freier Wildbahn zu suchen.
Du suchst also eine reine Sexbeziehung, da Du schon viele Enttäuschungen erlebt hast. Tja, diese Erfahrung haben wir alle wohl schon gemacht, da wird Dir niemand helfen können. Also komm drüber weg.
Denn leider können auch rein sexuelle Beziehungen nicht vor unangenehmen Erlebnissen bewahren. Ich hätte z.B. gut darauf verzichten können, die gebrauchte Unterwäsche einer fremden Frau in meinem eigenen Bett zu finden, nachdem meine Sexbeziehung sich freundlicherweise bereiterklärt hatte, während meines Urlaubs die Pflanzen in meiner Wohnung zu gießen (die übrigens, anders als er, in der Zeit verdorrt sind).
Ich habe es unter ähnlich widrigen Umständen inzwischen auch zu schätzen gelernt, wenn der Partybegleiter nicht zwischendurch spurlos verschwindet, und ich ihn irgendwann aus der Hose eines mir unbekannten Mannes auf dem Herrenklo zerren muß, um endlich nach Hause fahren zu können. Du siehst also, auch reine Sexgeschichten weisen ihre ganz speziellen Tücken auf.
Aber vielleicht kommen wir doch zusammen, denn neben gemeinsamen Bädern und einer gesunden Ernährung mit viel Obst sehnst Du Dich nach ausgefallenen Sexualpraktiken. Und gerade zu diesem Thema fällt mir spätestens nach der fünften Mail von Dir einiges ein, was selbst ein Bob Flanagan als "ausgefallen" bezeichnen müßte.
Ein Wort zum Schluß sei mir noch gestattet, das Dich vielleicht beruhigen mag. Glaub mir einfach, die Männer denken nicht, Dich aufgrund Deines jungen Alters verarschen zu können. Das hat ganz andere Gründe.
PS: Der mit Abstand schönste Beitrag zu diesem volkswirtschaftlich relevanten Thema findet sich hier: "Write better emails. Make more moneys." (besten Dank an Heiko, der für alles den perfekten Link hat und die Verantwortung dafür trägt, daß ich soeben Hund und Nachbarn mit lautem Gelächter aus dem Schlaf geschreckt habe)
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