2003-07-01 - 23:41 - Fortgeschrittenes Leiden

Und noch ein Nachtrag zum Nachtrag. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir das öffentliche Lamentieren über meine temporäre körperliche Entstellung, aber wo sollte ich sonst jammern? Auf die Straße gehe ich in diesem Zustand nur äußerst ungern. Gestern zeigte ein kleines Kind entsetzt mit dem Finger auf mich und fing an zu heulen, während die Mutter es hektisch weiterzerrte.

Und heute sah mich eine andere Hundebesitzerin, mit der ich gelegentlich Kaffee trinke, zeigte ebenfalls mit dem Finger auf mein verbeultes Gesicht und sagte: "Das sieht ja richtig scheiße aus." Man braucht an solchen Tagen schon ein ausgeprägteres Selbstbewußtsein, als ich es in diesem Zustand vorweisen kann.

Also habe ich meine Eltern angerufen, schließlich hat man doch für solche Fälle Familie. Aber meine Mutter hatte nicht mal Zeit, sich mein Wehklagen anzuhören und mein Vater schlug nur trocken vor, man sollte mir ein Schild um den Hals hängen, das vor den Folgen kosmetischer Eingriffe und der gerechten Strafe für Eitelkeit warnt. Ich glaube, ich möchte meine Eltern lieber nicht sehen, wenn sie am Samstag nach Hamburg kommen.

Auch ein Arztbesuch trug nicht eben zu meiner Aufmunterung bei. Mein Hautarzt musterte mich begeisterte und sagte, daß er schon lange nicht mehr so ein ausgeprägtes toxisches Ekzem gesehen hätte. Hübsch, wirklich hübsch. Und ich solle mir keine falschen Hoffnungen machen. Der ganze Heilungsprozeß würde mindestens zehn Tage dauern und dabei noch allerhand unschöne Phasen durchlaufen, bis sich die Haut vollständig erneuert hat.

Eine ganz erstaunliche Phase habe ich heute erreicht. Die Schwellung ist nämlich nicht zurückgegangen, sondern hat sich nur der Schwerkraft ergeben. Soll heißen, sie ist allmählich in Augen und Nase gesackt, so daß ich heute aussehe wie etwas, das normalerweise nur Star-Trek-Filme bevölkert.

Bis Freitag wird sich die Haut vermutlich dann pellen. Ich werde also zur Hochzeit der geschätzten Frau Gehrke als Meerjungfrau erscheinen, der jemand in der Maske die Schuppen versehentlich ins Gesicht geklebt hat. Es sei denn, ich treibe vorher noch eine Burka auf.

Leider kann ich mit zugeschwollenen Augen auch nicht mehr drohend gucken, so daß Herr Schulte jetzt nur noch in wildes Gelächter ausbricht, wenn ich ihn zum Lernen für seinen Kurs animieren möchte. Da hilft es auch wenig, daß der Arzt meint, ich könnte mir auch künftig ruhig die Haare tönen, das sei wohl eine einmalige Reaktion. Irgendwie ist mir die Lust daran erst mal vergangen.

Hat noch jemand Schokolade für mich?

1 Zwischenrufe

Prev, Next

Schon gelesen?

2004-03-11 - Umzug!

2004-03-09 - Wenn man sie nur ließe ...

2004-03-08 - C.

2004-03-05 - Brot, so oder so

2004-03-04 - Aus die Maus

hosted by DiaryLand.com

Fortgeschrittenes Leiden 2003-07-01 23:41 Und noch ein Nachtrag zum Nachtrag. Ich hoffe, Ihr verzeiht mir das öffentliche Lamentieren über meine temporäre körperliche Entstellung, aber wo sollte ich sonst jammern? Auf die Straße gehe ich in diesem Zustand nur äußerst ungern. Gestern zeigte ein kleines Kind entsetzt mit dem Finger auf mich und fing an zu heulen, während die Mutter es hektisch weiterzerrte.

Und heute sah mich eine andere Hundebesitzerin, mit der ich gelegentlich Kaffee trinke, zeigte ebenfalls mit dem Finger auf mein verbeultes Gesicht und sagte: "Das sieht ja richtig scheiße aus." Man braucht an solchen Tagen schon ein ausgeprägteres Selbstbewußtsein, als ich es in diesem Zustand vorweisen kann.

Also habe ich meine Eltern angerufen, schließlich hat man doch für solche Fälle Familie. Aber meine Mutter hatte nicht mal Zeit, sich mein Wehklagen anzuhören und mein Vater schlug nur trocken vor, man sollte mir ein Schild um den Hals hängen, das vor den Folgen kosmetischer Eingriffe und der gerechten Strafe für Eitelkeit warnt. Ich glaube, ich möchte meine Eltern lieber nicht sehen, wenn sie am Samstag nach Hamburg kommen.

Auch ein Arztbesuch trug nicht eben zu meiner Aufmunterung bei. Mein Hautarzt musterte mich begeisterte und sagte, daß er schon lange nicht mehr so ein ausgeprägtes toxisches Ekzem gesehen hätte. Hübsch, wirklich hübsch. Und ich solle mir keine falschen Hoffnungen machen. Der ganze Heilungsprozeß würde mindestens zehn Tage dauern und dabei noch allerhand unschöne Phasen durchlaufen, bis sich die Haut vollständig erneuert hat.

Eine ganz erstaunliche Phase habe ich heute erreicht. Die Schwellung ist nämlich nicht zurückgegangen, sondern hat sich nur der Schwerkraft ergeben. Soll heißen, sie ist allmählich in Augen und Nase gesackt, so daß ich heute aussehe wie etwas, das normalerweise nur Star-Trek-Filme bevölkert.

Bis Freitag wird sich die Haut vermutlich dann pellen. Ich werde also zur Hochzeit der geschätzten Frau Gehrke als Meerjungfrau erscheinen, der jemand in der Maske die Schuppen versehentlich ins Gesicht geklebt hat. Es sei denn, ich treibe vorher noch eine Burka auf.

Leider kann ich mit zugeschwollenen Augen auch nicht mehr drohend gucken, so daß Herr Schulte jetzt nur noch in wildes Gelächter ausbricht, wenn ich ihn zum Lernen für seinen Kurs animieren möchte. Da hilft es auch wenig, daß der Arzt meint, ich könnte mir auch künftig ruhig die Haare tönen, das sei wohl eine einmalige Reaktion. Irgendwie ist mir die Lust daran erst mal vergangen.

Hat noch jemand Schokolade für mich?

zorra - 2003-07-30 11:16:25
Arme Lyssa. Aber bedenke: Schokolade kann auch Exkzeme verursachen... Wollte ich nur gesagt haben ;-)
-------------------------------
Arme Lyssa. Aber bedenke: Schokolade kann auch Exkzeme verursachen... Wollte ich nur gesagt haben ;-)