2002-12-13 - 23:45 - Hannibal on Ice

Ich werde all die Tierhasser unter Euch mal wieder mit einer kleinen Geschichte von unserem neurotischen Renndackel beglücken. Jener macht nämlich zur Abwechslung grad zwei Wochen Urlaub bei mir (danach brauch ich den Urlaub).

Heute mittag haben wir bei eiskaltem, aber absolut perfektem, weltversöhnendem Winterwetter einen ausgedehnten Spaziergang an der Alster gemacht. Die Alster ist schon zugefroren und einzelne, festgefrorene Eisschollen glitzerten verlockend in der Sonne, die sich mühsam durch den leichten Nebel kämpfte. Perfekt eben. Winterseeligkeit statt Herbstblues.

Der Hund entdeckte nach anfänglicher Unsicherheit seine Liebe zum Eis. Es scheint sie ganz ungemein zu erheitern, wenn sie dem geliebten Ball hinterher hechtet und beim Versuch zu bremsen noch Pirouetten drehend locker zehn Meter weiterschlittert. Was alle anderen mir bekannten Hunde mit schierem Entsetzen erfüllt, berauscht sie geradezu.

Schließlich sind ihre kurzen Beine auf dem Eis ausnahmsweise mal von großem Vorteil, was ihr offensichtlich auch recht schnell klar wurde. Denn während sie sich einigermaßen sicher fortbewegen konnte, vom Bremsen mal abgesehen, rutschten bei den großen, sonst so majestätischen Hunden alle vier Beine in unterschiedliche Himmelsrichtungen. Das Ergebnis war meist ein jämmerliches Winseln.

Also machte unser verzogener Hund sich ein Vergnügen daraus, ans Ufer zu rennen, einen x-mal größeren Hund in den Bauch zu zwicken, um dann schnell wieder aufs Eis zu entschwinden. Die erzürnten Alstermajestäten folgten ihr einige Meter, drehten sich dann wimmernd um die eigene Achse und krabbelten schicksalsergeben wieder vorsichtig gen Ufer. Ich schwöre Euch, ich konnte die Rübennase diebisch grinsen sehen.

Einzig ein großes doggenartiges Vieh ließ sich von der glitzernden Fläche nicht abschrecken, raste hinterher und klaute ihr den heißgeliebten Ball. Das erwies sich allerdings als großer Fehler, denn die Rübe versteht so überhaupt keinen Spaß, wenn es um den Ball geht.

Der Gegenschlag erfolgte nach bewährtem Muster: Unser gemeingefährlicher Dackel sprang der Dogge an die Kehle und schüttelte so lange, bis die Dogge aufgab und winselnd den Ball fallen ließ. Vernichtet flüchtete der Verlierer daraufhin ans rettende Ufer, wo Frauchen schon im Pelzmantel wartete und aufgeregt nach "Hannibal" rief.

Jetzt war es allerdings an mir, nach dem rettenden Ufer Ausschau zu halten, denn die bepelzte Doggenbesitzerin stürmte mit äußerst verkniffener Miene in meine Richtung und begann sofort, mich mit wüsten Vorwürfen zu überhäufen.

Und mit diesem Frauchen war wirklich nicht zu spaßen. Es handelte sich nämlich um eine als äußerst klagfreudig bekannte Yellow-Press-Prominente, von der ohnehin nur der verkniffene Gesichtsausdruck fotografisch überliefert ist: Yvonne Wussow. Angesichts dieser gefährlichen Konstellation von düpierter Dogge und tobendem Frauchen beschloß ich, ausnahmsweise mal den geordneten Rückzug anzutreten.

Ach ja, und falls jemand fragen sollte: Mein Name ist Buschhäuser, Katrin Buschhäuser und ich bin hier nur zu Besuch. Jawohl! Dackel? Was für ein Dackel?

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Hannibal on Ice 2002-12-13 23:45 Ich werde all die Tierhasser unter Euch mal wieder mit einer kleinen Geschichte von unserem neurotischen Renndackel beglücken. Jener macht nämlich zur Abwechslung grad zwei Wochen Urlaub bei mir (danach brauch ich den Urlaub).

Heute mittag haben wir bei eiskaltem, aber absolut perfektem, weltversöhnendem Winterwetter einen ausgedehnten Spaziergang an der Alster gemacht. Die Alster ist schon zugefroren und einzelne, festgefrorene Eisschollen glitzerten verlockend in der Sonne, die sich mühsam durch den leichten Nebel kämpfte. Perfekt eben. Winterseeligkeit statt Herbstblues.

Der Hund entdeckte nach anfänglicher Unsicherheit seine Liebe zum Eis. Es scheint sie ganz ungemein zu erheitern, wenn sie dem geliebten Ball hinterher hechtet und beim Versuch zu bremsen noch Pirouetten drehend locker zehn Meter weiterschlittert. Was alle anderen mir bekannten Hunde mit schierem Entsetzen erfüllt, berauscht sie geradezu.

Schließlich sind ihre kurzen Beine auf dem Eis ausnahmsweise mal von großem Vorteil, was ihr offensichtlich auch recht schnell klar wurde. Denn während sie sich einigermaßen sicher fortbewegen konnte, vom Bremsen mal abgesehen, rutschten bei den großen, sonst so majestätischen Hunden alle vier Beine in unterschiedliche Himmelsrichtungen. Das Ergebnis war meist ein jämmerliches Winseln.

Also machte unser verzogener Hund sich ein Vergnügen daraus, ans Ufer zu rennen, einen x-mal größeren Hund in den Bauch zu zwicken, um dann schnell wieder aufs Eis zu entschwinden. Die erzürnten Alstermajestäten folgten ihr einige Meter, drehten sich dann wimmernd um die eigene Achse und krabbelten schicksalsergeben wieder vorsichtig gen Ufer. Ich schwöre Euch, ich konnte die Rübennase diebisch grinsen sehen.

Einzig ein großes doggenartiges Vieh ließ sich von der glitzernden Fläche nicht abschrecken, raste hinterher und klaute ihr den heißgeliebten Ball. Das erwies sich allerdings als großer Fehler, denn die Rübe versteht so überhaupt keinen Spaß, wenn es um den Ball geht.

Der Gegenschlag erfolgte nach bewährtem Muster: Unser gemeingefährlicher Dackel sprang der Dogge an die Kehle und schüttelte so lange, bis die Dogge aufgab und winselnd den Ball fallen ließ. Vernichtet flüchtete der Verlierer daraufhin ans rettende Ufer, wo Frauchen schon im Pelzmantel wartete und aufgeregt nach "Hannibal" rief.

Jetzt war es allerdings an mir, nach dem rettenden Ufer Ausschau zu halten, denn die bepelzte Doggenbesitzerin stürmte mit äußerst verkniffener Miene in meine Richtung und begann sofort, mich mit wüsten Vorwürfen zu überhäufen.

Und mit diesem Frauchen war wirklich nicht zu spaßen. Es handelte sich nämlich um eine als äußerst klagfreudig bekannte Yellow-Press-Prominente, von der ohnehin nur der verkniffene Gesichtsausdruck fotografisch überliefert ist: Yvonne Wussow. Angesichts dieser gefährlichen Konstellation von düpierter Dogge und tobendem Frauchen beschloß ich, ausnahmsweise mal den geordneten Rückzug anzutreten.

Ach ja, und falls jemand fragen sollte: Mein Name ist Buschhäuser, Katrin Buschhäuser und ich bin hier nur zu Besuch. Jawohl! Dackel? Was für ein Dackel?