2003-11-02 - 23:13 - Offene Worte

Allmählich wird mir Kerstins kleiner Sohn unheimlich. Er scheint sein untrügliches Gespür für wunde Punkte bevorzugt an mir auszuprobieren. Und das wird auch noch eine Weile so weitergehen, denn die meisten Kinder verlieren dieses Gespür erst mit Einsetzen der Pubertät, wenn sie zu sehr mit ihren eigenen wunden Punkten beschäftigt sind. Und da ich heute zu seinem fünften Geburtstag eingeladen war, kann ich mich wohl noch auf einige heitere Diskussionen gefaßt machen.

Nachdem er beim letzten Mal meinen Status als unverheiratete Frau kritisch hinterfragt hatte, widmete er sich heute meiner beruflichen Tätigkeit (und wieder kam mir der Verdacht, daß er von meinen Eltern bestochen wird). Die kann nämlich mit der seiner Mutter nicht mithalten, schon allein weil ich zuhause arbeite und seine Mutter jeden Morgen in ein Büro gehen darf. Ein Büro ist definitiv ein wichtiges Statussymbol, denn zuhause bleiben nur alte Omas und Kranke. Hat jemand noch irgendwo ein Mini-Büro zur Untermiete?

Und außerdem: "Meine Mama ist viel toller als Du, die redet nämlich mit Räubern." - "???" (Meines Wissens hatte sie ihren Job als Anwältin bei einer Hypothekenbank in der letzten Woche nicht aufgegeben.) "Ja, die Räuber kommen nämlich erst zu meiner Mama und erzählen ihr alles. Die schreibt das dann auf, in sonnem dicken Buch. Das bringt sie dann zur Polizei und die bringt dann die Räuber ins Gefängnis."

"Aber weil meine Mama ja alles aufgeschrieben hat, kann er Räuber das mit dem Rauben nicht vergessen da im Gefängnis. Er kann das immer wieder in dem dicken Buch nachlesen. Außerdem paßt meine Mama solange auf seine Sachen auf, bis er alt ist und wieder aus dem Gefängnis kommt. Aber das macht sie nicht bei dem Mann, der das Telefon von meinem Papa geklaut hat. Der muß direkt ins Gefängnis und darf nicht vorher mit meiner Mama reden." Tja, gehen Sie nicht über Los und reden Sie nicht mit einer sehr charmanten, hübschen jungen Frau. Das Leben ist hart.

Er hat da zwar einiges durcheinander geworfen, aber zumindest ist jetzt ganz klar, daß Anwältin ein ziemlich cooler Beruf ist, auch wenn ich immer noch nicht so ganz verstanden habe, was Kerstin in der Hypothekenbank mit den Räubern zu tun hat. Klar ist übrigens auch, daß er nicht Koch werden will wie sein Vater. "Da kommt man immer spät nach Hause und stinkt ganz verbrannt. Und man muß ständig laufen, weil man sonst dick wird. Außerdem arbeiten in der Küche von Papa fast nur Männer, das ist doof. Da kriegt man keine Frau."

Daß er die elementaren Dinge des Lebens schon verstanden hat, bewies er auch gleich zu Beginn. Ich kam rein, das Geschenk unter den Arm geklemmt, wurde wie üblich erst nach dem Hund begrüßt und ließ mir dann das Geschenk entreißen. Dafür wurde er prompt von seiner Oma getadelt: "Aber du weißt doch gar nicht, ob das wirklich für dich ist." - "Ooooma, guck dich doch mal um, für wen soll das denn sonst sein?"

12 Zwischenrufe

Prev, Next

Schon gelesen?

2004-03-11 - Umzug!

2004-03-09 - Wenn man sie nur ließe ...

2004-03-08 - C.

2004-03-05 - Brot, so oder so

2004-03-04 - Aus die Maus

hosted by DiaryLand.com

Offene Worte 2003-11-02 23:13 Allmählich wird mir Kerstins kleiner Sohn unheimlich. Er scheint sein untrügliches Gespür für wunde Punkte bevorzugt an mir auszuprobieren. Und das wird auch noch eine Weile so weitergehen, denn die meisten Kinder verlieren dieses Gespür erst mit Einsetzen der Pubertät, wenn sie zu sehr mit ihren eigenen wunden Punkten beschäftigt sind. Und da ich heute zu seinem fünften Geburtstag eingeladen war, kann ich mich wohl noch auf einige heitere Diskussionen gefaßt machen.

Nachdem er beim letzten Mal meinen Status als unverheiratete Frau kritisch hinterfragt hatte, widmete er sich heute meiner beruflichen Tätigkeit (und wieder kam mir der Verdacht, daß er von meinen Eltern bestochen wird). Die kann nämlich mit der seiner Mutter nicht mithalten, schon allein weil ich zuhause arbeite und seine Mutter jeden Morgen in ein Büro gehen darf. Ein Büro ist definitiv ein wichtiges Statussymbol, denn zuhause bleiben nur alte Omas und Kranke. Hat jemand noch irgendwo ein Mini-Büro zur Untermiete?

Und außerdem: "Meine Mama ist viel toller als Du, die redet nämlich mit Räubern." - "???" (Meines Wissens hatte sie ihren Job als Anwältin bei einer Hypothekenbank in der letzten Woche nicht aufgegeben.) "Ja, die Räuber kommen nämlich erst zu meiner Mama und erzählen ihr alles. Die schreibt das dann auf, in sonnem dicken Buch. Das bringt sie dann zur Polizei und die bringt dann die Räuber ins Gefängnis."

"Aber weil meine Mama ja alles aufgeschrieben hat, kann er Räuber das mit dem Rauben nicht vergessen da im Gefängnis. Er kann das immer wieder in dem dicken Buch nachlesen. Außerdem paßt meine Mama solange auf seine Sachen auf, bis er alt ist und wieder aus dem Gefängnis kommt. Aber das macht sie nicht bei dem Mann, der das Telefon von meinem Papa geklaut hat. Der muß direkt ins Gefängnis und darf nicht vorher mit meiner Mama reden." Tja, gehen Sie nicht über Los und reden Sie nicht mit einer sehr charmanten, hübschen jungen Frau. Das Leben ist hart.

Er hat da zwar einiges durcheinander geworfen, aber zumindest ist jetzt ganz klar, daß Anwältin ein ziemlich cooler Beruf ist, auch wenn ich immer noch nicht so ganz verstanden habe, was Kerstin in der Hypothekenbank mit den Räubern zu tun hat. Klar ist übrigens auch, daß er nicht Koch werden will wie sein Vater. "Da kommt man immer spät nach Hause und stinkt ganz verbrannt. Und man muß ständig laufen, weil man sonst dick wird. Außerdem arbeiten in der Küche von Papa fast nur Männer, das ist doof. Da kriegt man keine Frau."

Daß er die elementaren Dinge des Lebens schon verstanden hat, bewies er auch gleich zu Beginn. Ich kam rein, das Geschenk unter den Arm geklemmt, wurde wie üblich erst nach dem Hund begrüßt und ließ mir dann das Geschenk entreißen. Dafür wurde er prompt von seiner Oma getadelt: "Aber du weißt doch gar nicht, ob das wirklich für dich ist." - "Ooooma, guck dich doch mal um, für wen soll das denn sonst sein?"

cerebus - 2003-11-02 18:01:35
Und ich dachte immmer, Banker wären die schlimmsten Räuber.
-------------------------------
Und ich dachte immmer, Banker wären die schlimmsten Räuber. Lyssa - 2003-11-02 18:08:10
@cerebus: Vermutlich ist er noch weiser als ich dachte.
-------------------------------
@cerebus: Vermutlich ist er noch weiser als ich dachte. Don - 2003-11-02 18:38:40
Ich glaube, er meinte die Anwaltskollegen.
-------------------------------
Ich glaube, er meinte die Anwaltskollegen. Shana - 2003-11-02 18:39:49
hm *nachdenk* ... wie macht ihr beiden das bloss? der eintrag ist vom 02.11., 23:13 uhr und eure beiden kommentare vom gleichen tag - allerdings schon 18.01 uhr bzw. 18:08 uhr *staun* da muss ich mich doch glatt fragen wie weise ihr beiden dann erst seid ;)
-------------------------------
hm *nachdenk* ... wie macht ihr beiden das bloss? der eintrag ist vom 02.11., 23:13 uhr und eure beiden kommentare vom gleichen tag - allerdings schon 18.01 uhr bzw. 18:08 uhr *staun* da muss ich mich doch glatt fragen wie weise ihr beiden dann erst seid ;) Shana - 2003-11-02 18:40:53
boah ey ... ich kann das ja auch ... *wechlach*
-------------------------------
boah ey ... ich kann das ja auch ... *wechlach* Lyssa - 2003-11-02 18:48:41
@cerebus und Don: Das kann nicht sein. Finanzdienstleister und Anwälte müssen nicht ins Gefängnis, das ist ein ehernes Gesetz. @Shana: Das liegt an Diaryland. Irgendjemand dort ist extrem unwillig, die angezeigte Zeit der Kommentare der tatsächlichen Zeit der Kommentierenden anzupassen. Ähm ja. Oder so ähnlich.
-------------------------------
@cerebus und Don: Das kann nicht sein. Finanzdienstleister und Anwälte müssen nicht ins Gefängnis, das ist ein ehernes Gesetz. @Shana: Das liegt an Diaryland. Irgendjemand dort ist extrem unwillig, die angezeigte Zeit der Kommentare der tatsächlichen Zeit der Kommentierenden anzupassen. Ähm ja. Oder so ähnlich. Shana - 2003-11-03 03:18:53
@lyssa: *auf die uhrzeit deines beitrags schiel* - da hätten wir ja fast noch telenieren können ;) ... naja, vielleicht nächstes mal :) *knuddelz*
-------------------------------
@lyssa: *auf die uhrzeit deines beitrags schiel* - da hätten wir ja fast noch telenieren können ;) ... naja, vielleicht nächstes mal :) *knuddelz* cerebus - 2003-11-03 06:18:22
@lyssa: Dieser Beweis ist gänzlich ohne wert. Dein Argument sagt lediglich etwas über das System, indes nichts über diese Berufsgruppen. Aber das muß ich Dir ja nicht erklären ;-)
-------------------------------
@lyssa: Dieser Beweis ist gänzlich ohne wert. Dein Argument sagt lediglich etwas über das System, indes nichts über diese Berufsgruppen. Aber das muß ich Dir ja nicht erklären ;-) Lyssa - 2003-11-03 06:44:29
@cerebus: Ach doch, bitte erklär's mir. Dein Dozenten-Modus ist wirklich sexy ;-)
-------------------------------
@cerebus: Ach doch, bitte erklär's mir. Dein Dozenten-Modus ist wirklich sexy ;-) reflexxx - 2003-11-03 10:21:48
Nachdem viele Eltern feststellen mussten, daß Kinder Luxus geworden sind... haben es inzwischen auch einige der Kinder gemerkt, auch das formt sie
;)=)
-------------------------------
Nachdem viele Eltern feststellen mussten, daß Kinder Luxus geworden sind... haben es inzwischen auch einige der Kinder gemerkt, auch das formt sie
;)=)
Frank Pierce - 2003-11-04 09:40:35
Jetzt würde mich aber schon 3 Dinge zu der Sache mit dem Geschenk interessieren: (1) war das Geschenk tatsächlich für den Balg gedacht ? (2) was war denn drin ? (3) was wird er wohl sagen, wenn Du das nächste Mal SEINEN wunden Punkt triffst, also zum Beispiel mit ein Spielzeug auf den groß "von 3-4 Jahren" steht oder mit einem schicken Hemd mit Rüschen und "netten" Stickereien drauf, bei dem die Knöpfe links und die Knopflöcher rechts sind ? :D Eine klasse Möglichkeit, die Geschenkforderungen von Kindern einzuschränken, ist es, ihnen seinen eigenen Geburtstag mitzuteilen und deutlich zu erkennen zu geben, welches seiner Lieblingsspielzeuge man sich zu diesem Anlass von ihm wünscht. Woher kenn ich das bloß ?? Frank
-------------------------------
Jetzt würde mich aber schon 3 Dinge zu der Sache mit dem Geschenk interessieren: (1) war das Geschenk tatsächlich für den Balg gedacht ? (2) was war denn drin ? (3) was wird er wohl sagen, wenn Du das nächste Mal SEINEN wunden Punkt triffst, also zum Beispiel mit ein Spielzeug auf den groß "von 3-4 Jahren" steht oder mit einem schicken Hemd mit Rüschen und "netten" Stickereien drauf, bei dem die Knöpfe links und die Knopflöcher rechts sind ? :D Eine klasse Möglichkeit, die Geschenkforderungen von Kindern einzuschränken, ist es, ihnen seinen eigenen Geburtstag mitzuteilen und deutlich zu erkennen zu geben, welches seiner Lieblingsspielzeuge man sich zu diesem Anlass von ihm wünscht. Woher kenn ich das bloß ?? Frank Lyssa - 2003-11-04 09:57:39
@Frank: Die Sache mit dem eigenen Geburtstag wird leider nicht funktionieren, zumindest im Moment nicht, denn das Balg ist erstaunlich schenkungswillig und geradezu teilungswütig. Ich bekomme bei jedem Besuch Spielzeug von ihm geschenkt, das ich dann tatsächlich auch mit nach Hause nehmen muß. Und was die Fragen angeht: Ja, das Geschenk war tatsächlich für den Kleinen und darin war ein Flugzeug, das an der Decke an einer Schnur Kreise dreht. Aber die Sache mit dem Rüschenhemd werde ich erwägen. Wäre mal eine nette Abwechslung zu den BobdasBrot-Shirts.
-------------------------------
@Frank: Die Sache mit dem eigenen Geburtstag wird leider nicht funktionieren, zumindest im Moment nicht, denn das Balg ist erstaunlich schenkungswillig und geradezu teilungswütig. Ich bekomme bei jedem Besuch Spielzeug von ihm geschenkt, das ich dann tatsächlich auch mit nach Hause nehmen muß. Und was die Fragen angeht: Ja, das Geschenk war tatsächlich für den Kleinen und darin war ein Flugzeug, das an der Decke an einer Schnur Kreise dreht. Aber die Sache mit dem Rüschenhemd werde ich erwägen. Wäre mal eine nette Abwechslung zu den BobdasBrot-Shirts.