Mein Wochenende verlief so ganz anders als geplant, daher war in all dem Chaos leider auch keine Zeit für Updates. Zunächst zog viel spontaner als erwartet ein neuer Mitbewohner bei mir ein. Er ist etwa kniehoch, hat vier Pfoten, ist pechschwarz und viel zu dünn (nein, nicht Brenda, mehr zum Hund morgen).
Kaum hatte der Hund eine erste Inspektion meiner Wohnung vorgenommen, stand auch schon Herr Schulte vor der Tür, mit dem ich eigentlich ein abwechslungsreiches Wochenende mit allerhand subkulturellen Veranstaltungen geplant hatte. Daraus wurde jedoch nichts, weil besagter Herr seine Gier nicht im Griff hatte und böse unter den Folgen leiden mußte.
Nein, nicht was Ihr womöglich denkt. Herr Schulte hatte, bevor er den Zug bestieg, an irgendeiner dusteren Grill-Bude halt gemacht und unaussprechliches, in vermutlich ranzigem Fett fritiertes Zeugs gegessen. Solche "Nahrung" gehört natürlich nicht in den Magen und wollte in diesem speziellen Fall auch gar nicht darin bleiben.
Also blockierte der gequälte Mann ab Freitag nacht fast das gesamte Wochenende über mein kleines Bad (zum Glück hab ich ja freundliche Nachbarn, die mir ihre Toilette kurzfristig überließen, sonst hätte ich irgendwo ein Dixie-Klo knacken müssen) und war ansonsten nicht wirklich zu Aktivitäten zu verleiten. Fit ist er heute übrigens immer noch nicht wieder.
Natürlich ein klassischer Fall von "selbst schuld", aber trotzdem tat er mir leid, als er kreidebleich und leicht stöhnend an den Hund gekuschelt auf meinem roten Sofa lag (und ich tat mir auch ein klitzekleines bißchen leid).
Mehr Spaß scheint hingegen Marc gehabt zu haben, zumindest ließ das seine SMS vermuten, die Sonntag morgen überraschend früh bei mir einlief. Den Inhalt gebe ich mit Rücksicht auf Mainzer Buchhandlungsleser in einer etwas jugendfreieren Variante wieder.
"Hilfe, neben mir liegt ein fremder, aber ziemlich gut ausgestatteter Mann im Bett. Warum ist der nicht bei sich zuhause? Ruf gleich an, spiel einfach mit."
Als er anrief, sagte er beschwingt Dinge wie: "Sorry, Süße, ich hab unser gemeinsames Frühstück völlig verschlafen. Ich spring aber nur schnell unter die Dusche und bin dann in einer Viertelstunde bei dir."
Das erwähnte Frühstück stand natürlich nie auf der Tagesordnung, sollte auch nicht stattfinden, aber offensichtlich wußte Marc den Fremdling nicht anders loszuwerden. Dementsprechend absurd verlief das weitere Telefonat.
Lyssa: "Ach ja? Wie war die Nacht mit dem Cowboy?" - "Tut mir wirklich leid, ich beeil mich jetzt auch." - "Hmm, scheint ja trotz allem nicht so der Hit gewesen zu sein." - "Genau, in etwa 15 Minuten. Halt den Kaffee warm." - "Wie jetzt? Keine schmutzigen Details?"
Aber, alle Achtung, Marc ließ sich nicht mal ansatzweise aus der Ruhe bringen, sondern blieb gekonnt in der Rolle des verspäteten besten Freundes. Eine oscar-reife Vorstellung dank jahrelanger Übung.
Unverständlich bleibt jedoch, warum er immer noch nicht gelernt hat, seine One-Night-Stands kurz nach dem Akt wieder vor die Tür zu setzen, um sich ein unangenehmes Erwachen neben Fremden zu ersparen. Ts, muß ich dem Mann denn alles selbst beibringen? ;-)
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