Was sich als harmlos Erkältung in mein Haus schlich, entpuppte sich als ernstzunehmender Gegner, der mich seit Tagen mit allem quält, was einem grippalen Infekt so zur Verfügung steht. Heute ist der erste Tag, an dem sich der Menthol-Nebel in meinem Hirn vorübergehend lichtet und beim Anblick des Computer-Bildschirms nicht mehr tausend grelle Lichter in meinem Kopf explodieren.
Höchste Zeit also für ein kurzes Update, zumal der Hund grad ausnahmsweise friedlich schläft, nachdem er sich heimlich über einen kleinen Rest von WickMediNait hergemacht hat. Das arme Monster ist schon völlig durcheinander, weil momentan der sonst übliche Tag-Nacht-Rhythmus nicht eingehalten wird.
Mein geheiligter Nachtschlaf (und der meiner Nachbarn) wird derzeit allzu häufig von gewaltigen Hustenanfällen unterbrochen, die mich teilweise mehrere Stunden wachhalten. Diese Zeit verbringen wir dann gemeinsam auf dem Sofa und bilden uns mittels alter Spiegel-TV-Dokus (XXP sei dank) weiter (es ist erstaunlich, was man nachts alles über die technischen Finessen der Berliner U-Bahn oder irgendwelche weit entfernten Uran-Vorkommen lernen kann).
Noch erstaunlicher ist allerdings, daß es so gut wie kein TV-Programm ohne Hunde gibt - zumindest kaum eines ohne Hundegebell im Hintergrund. Das merke ich erst jetzt, da ich mir die Nächte mit dem Hund vor dem TV um die schmerzenden Ohren schlage. Das kleine Monster springt nämlich jedes Mal auf und bellt frenetisch den Fernseher an, sobald ein Tontechniker auch nur ein leises Kläffen als Hintergrundgeräusch eingespielt hat.
Und glaubt mir, egal ob eine alte Tatort-Folge oder eine Doku über Volkskunst in Armenien läuft, Hundegebell scheint immer zum jeweiligen Lokalkolorit beitragen zu müssen. Selbst in der keimfreien Umgebung einer Krankenhausserie taucht plötzlich ein kleiner Kläffer auf, der unter den Tränen der Mutter ein komatöses Kind wieder zum Leben erweckt (das anschließende Gebell meines Hundes könnte sogar Tote aufwecken).
Dem Hund ist es ansonsten herzlich egal, wie krank ich bin, denn er besteht natürlich trotzdem auf seine Gassigänge und will partout nicht lernen, aus dem Küchenfenster in den Lichtschacht zu pinkeln. Aber bei den aktuellen Temperaturen ist es zum Glück gerechtfertigt, das bleiche Krankengesicht hinter langen Haaren und die dunklen Augenränder unter einer möglichst großen Sonnenbrille zu verstecken.
Während ich mich also wie die letzte Überlebende des 70er-Jahre-Heroin-Chics röchelnd an der Alster entlangschleppe, scheint der Rest meiner weitaus hipperen Mitmenschen beschlossen zu haben, in diesem Sommer endgültig die 80er wieder zum Leben zu erwecken. Denn auch in meinen kühnsten Fieberträumen hätte ich nicht die beiden Frauen herbei halluzinieren können, die mir heute mit asymmetrischer Frisur, faltigen weißen Stiefel und, ich glaube es immer noch nicht, Stulpen über den Weg liefen.
Stulpen. Ich hätte nicht gedacht, daß man sie je wieder außerhalb von Fame-Wiederholungen zu Gesicht bekommen würde. Unförmige Wollschläuche, in denen selbst die grazilsten Beine zu grellfarbigen Stampfern werden. Aber vermutlich ist das der pure Neid, der aus mir spricht, denn in meinen frühen Teenie-Tagen hätte ich solche Dinger natürlich nur zu gern getragen.
Aber schon damals fand ich mich stets auf der falschen Seite knapp hinter der Coolness-Grenze wieder und ging folgerichtig zum klassischen Ballett-Unterricht statt in die modernen "Dance-Classes". Und im Ballett-Saal waren Stulpen natürlich strikt untersagt - sehr zum Leidwesen der pubertierenden Elevinnen, die fast alle lieber Flash Dance statt Schwanensee getanzt hätten. (Für mich fiel beides aus, da ich aufgrund meiner Körperlänge immer nur Männerrollen tanzen mußte - jaja, unfreiwillige Travestie, das Drama meiner frühen Jugend.)
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