2003-01-09 - 15:11 - Alice im Computerland

Ich muß zugeben, daß ich schon immer ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Alice Schwarzer hatte. In vielen Punkten hat sie Großartiges geleistet, und in einem Fernseh-Interview erschien sie mir als sehr intelligente, warmherzige Frau. Außerdem hat sie mehr Leidenschaft im Herzen und mehr Feuer unterm Hintern als die meisten Menschen zusammengenommen.

Gelegentlich schießt sie aber auch gewaltig übers Ziel hinaus und treibt mich damit zu lautstarken Wutanfällen - oder eben zu solchen Einträgen hier. Besonders ihre geradezu fanatische Fixierung auf Porno-Darstellungen als Quelle allen irdischen Übels treibt mich mit schönster Regelmäßigkeit die Wand hoch.

Ihre PorNO-Kampagne von 1987, die der Erniedrigung von Frauen durch Pornographie entgegenwirken sollte, nebst der Wiederbelebung 1998 - diesmal mit hochkarätiger Unterstützung eines parteiübergreifenden Politikerinnenbündnisses - ist meiner Meinung nach eher ein Rückschritt. Und wären ihre Vorschläge 1998 tatsächlich so Gesetz geworden, würde ich mich heute als Frau massiv durch dieses Gesetz diskriminiert fühlen.

Warum sollen Frauen durch pornographische Darstellungen erniedrigt werden, sobald mehr als ganz normaler Sex gezeigt wird, wenn das für Männer nicht zutrifft? Seit wann sind wir so viel schutzbedürftiger? Und warum dürfen Frauen in der Emma-Welt ihr Geld nicht mehr beim Porno-Dreh verdienen, schwule Jungs aber schon? Das soll Emanzipation sein?

Mal ganz abgesehen davon, daß wir vermutlich alle längst straffällig geworden wären. Oder hat tatsächlich noch niemand von Euch kleine Bildchen mit gefesselten Frauen oder Vibratoren in action betrachtet? Ja, schämt Euch, so was wäre dann heute alles böse, böse Pornographie.

Ich weiß, ich weiß, ich bin einfach nur zu sehr durch jahrelange patriarchalische Indoktrination verdorben und komplett vom rechten Weg abgekommen. Also lasse ich das Thema ruhen und rege mich lieber über das neueste Meisterstück aus dem Hause Emma auf (besten Dank an Steph für den Hinweis).

Unter dem Titel www.gattinnen-im-netz.de ruft Emma tatsächlich dazu auf, den PC des Sohnes oder Partners heimlich nach Porno-Bildchen oder ähnlichem Schmutz zu durchsuchen. Dabei geht man ganz offensichtlich von zwei Prämissen aus: Der Mann von Grund auf schlecht und gehört überwacht. Frau hingegen ist zu dämlich einen PC zu bedienen und muß deswegen von Emma genauestens bei der Spionage angeleitet werden.

Unklar bleibt jedoch, warum denn die kleinen Ausflüge des Gatten ins Wunderland williger Weibchen unbedingt ausgekundschaftet und vermutlich auch zum Gegenstand heftiger Beziehungsdiskussionen gemacht werden müssen. Es kann mir doch herzlich egal sein, was sich Mann so in seinen stillen Stunden anguckt. Der Vertrauensbruch einer Spionage hingegen sollte niemandem egal sein.

(Allerdings würde ich gerne mal kurz auf dem Rechner von Herrn Schulte spionieren. Da müssen nämlich noch etliche Bilder von einer nur sehr sparsam bekleideten Lucy Liu liegen, die er mir seit Wochen zu schicken verspricht. Hallo, lesen Sie das, Herr Schulte?)

Und wer einen Mann zu Hause hat, der nicht zwischen Wonderwoman und der zellulitösen Realität unterscheiden kann, der irgendwann tatsächlich davon ausgeht, seiner Liebsten müßten über Nacht rutschfeste Silikonbrüste wachsen, die sie dann beim Nacktputzen fröhlich vor sich herschaukeln kann ... Tja, wer so ein Exemplar hat, dem hilft auch eine simple Spionage-Anleitung nicht weiter im Leben.

Aber wahrscheinlich fehlt mir als Nicht-Abonnentin bloß das nötige Hintergrundwissen (die nötige Sensibilisierung ohnehin), um dieses Thema wirklich begreifen zu können. Wie gut, daß ich da im Emma-Gästebuch gründlich über "Mann-zentration" und ähnliche Erscheinungen unserer verrohten Welt aufgeklärt werde.

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Alice im Computerland 2003-01-09 15:11 Ich muß zugeben, daß ich schon immer ein etwas gespaltenes Verhältnis zu Alice Schwarzer hatte. In vielen Punkten hat sie Großartiges geleistet, und in einem Fernseh-Interview erschien sie mir als sehr intelligente, warmherzige Frau. Außerdem hat sie mehr Leidenschaft im Herzen und mehr Feuer unterm Hintern als die meisten Menschen zusammengenommen.

Gelegentlich schießt sie aber auch gewaltig übers Ziel hinaus und treibt mich damit zu lautstarken Wutanfällen - oder eben zu solchen Einträgen hier. Besonders ihre geradezu fanatische Fixierung auf Porno-Darstellungen als Quelle allen irdischen Übels treibt mich mit schönster Regelmäßigkeit die Wand hoch.

Ihre PorNO-Kampagne von 1987, die der Erniedrigung von Frauen durch Pornographie entgegenwirken sollte, nebst der Wiederbelebung 1998 - diesmal mit hochkarätiger Unterstützung eines parteiübergreifenden Politikerinnenbündnisses - ist meiner Meinung nach eher ein Rückschritt. Und wären ihre Vorschläge 1998 tatsächlich so Gesetz geworden, würde ich mich heute als Frau massiv durch dieses Gesetz diskriminiert fühlen.

Warum sollen Frauen durch pornographische Darstellungen erniedrigt werden, sobald mehr als ganz normaler Sex gezeigt wird, wenn das für Männer nicht zutrifft? Seit wann sind wir so viel schutzbedürftiger? Und warum dürfen Frauen in der Emma-Welt ihr Geld nicht mehr beim Porno-Dreh verdienen, schwule Jungs aber schon? Das soll Emanzipation sein?

Mal ganz abgesehen davon, daß wir vermutlich alle längst straffällig geworden wären. Oder hat tatsächlich noch niemand von Euch kleine Bildchen mit gefesselten Frauen oder Vibratoren in action betrachtet? Ja, schämt Euch, so was wäre dann heute alles böse, böse Pornographie.

Ich weiß, ich weiß, ich bin einfach nur zu sehr durch jahrelange patriarchalische Indoktrination verdorben und komplett vom rechten Weg abgekommen. Also lasse ich das Thema ruhen und rege mich lieber über das neueste Meisterstück aus dem Hause Emma auf (besten Dank an Steph für den Hinweis).

Unter dem Titel www.gattinnen-im-netz.de ruft Emma tatsächlich dazu auf, den PC des Sohnes oder Partners heimlich nach Porno-Bildchen oder ähnlichem Schmutz zu durchsuchen. Dabei geht man ganz offensichtlich von zwei Prämissen aus: Der Mann von Grund auf schlecht und gehört überwacht. Frau hingegen ist zu dämlich einen PC zu bedienen und muß deswegen von Emma genauestens bei der Spionage angeleitet werden.

Unklar bleibt jedoch, warum denn die kleinen Ausflüge des Gatten ins Wunderland williger Weibchen unbedingt ausgekundschaftet und vermutlich auch zum Gegenstand heftiger Beziehungsdiskussionen gemacht werden müssen. Es kann mir doch herzlich egal sein, was sich Mann so in seinen stillen Stunden anguckt. Der Vertrauensbruch einer Spionage hingegen sollte niemandem egal sein.

(Allerdings würde ich gerne mal kurz auf dem Rechner von Herrn Schulte spionieren. Da müssen nämlich noch etliche Bilder von einer nur sehr sparsam bekleideten Lucy Liu liegen, die er mir seit Wochen zu schicken verspricht. Hallo, lesen Sie das, Herr Schulte?)

Und wer einen Mann zu Hause hat, der nicht zwischen Wonderwoman und der zellulitösen Realität unterscheiden kann, der irgendwann tatsächlich davon ausgeht, seiner Liebsten müßten über Nacht rutschfeste Silikonbrüste wachsen, die sie dann beim Nacktputzen fröhlich vor sich herschaukeln kann ... Tja, wer so ein Exemplar hat, dem hilft auch eine simple Spionage-Anleitung nicht weiter im Leben.

Aber wahrscheinlich fehlt mir als Nicht-Abonnentin bloß das nötige Hintergrundwissen (die nötige Sensibilisierung ohnehin), um dieses Thema wirklich begreifen zu können. Wie gut, daß ich da im Emma-Gästebuch gründlich über "Mann-zentration" und ähnliche Erscheinungen unserer verrohten Welt aufgeklärt werde.