2003-09-12 - 21:40 - Kein Platz für den Hippokampus
Mein Hirn ist entweder zu klein oder aber irgendwie partiell zu groß geraten, so daß der arme Hippokampus nicht genügend Raum zur Ausdehnung oder auch nur zur Erledigung einiger Grundfunktionen zur Verfügung hat (aber müßte sich das bei Hutgröße 60 nicht inzwischen an anderer Stelle positiv bemerkbar gemacht haben?). Zumindest legt das eine amerikanische Studie nahe, über die der Spiegel heute berichtet.
Der Studie zufolge reagierten bestimmte Zellen im Hippokampus bei der Orientierungssuche der Test-Autofahrer, und bei Taxifahrern sei diese Hirnregion im Laufe vieler Dienstjahre in verwinkelten Städten sogar angewachsen, um dem Gehirn genügend Raum für das Anlegen einer inneren Karte zu verschaffen.
Mein Hippokampus, immer vorausgesetzt er kann überhaupt die erforderlichen Zellen aufweisen, scheint hingegen sofort in eine Art militante Verweigerungsstarre zu verfallen, sobald ich mich mehr als 500 Meter von meinem Wohnort entferne. Daran hat auch jahrelange regelmäßige Fahrpraxis nichts ändern können.
Ich muß eine Strecke, die mehr als zweimaliges Abbiegen erfordert, mindestens zehn Mal mit Hilfe einer Karte oder meines elektronischen Ersatz-Hirns fahren, bevor ich den Weg allein wiederfinde. Und falls ich dann dieselbe größere Straße durch Zufall mal in der anderen Richtung befahren sollte, glaubt bloß nicht, daß ich sie wiedererkennen würde. Mit mir in der Rolle des Rotkäppchens wäre das Märchen ganz anders ausgegangen, denn bis zum Haus der Großmutter wäre ich niemals gekommen. Statt dessen wäre ich wohl im Wald erfroren und hätte mir die letzten Stunden mit der Flasche Rotwein aus dem Korb versüßt.
Mein sonderbares Gehirn legt beim Autofahren oder Spazieren keine inneren Karten an, sondern speichert allenfalls bunte Momentaufnahmen meiner Umgebung ab, ohne sie jedoch in einen geographisch sinnvollen Zusammenhang zu bringen. Dia-Show statt Straßenkarte. Dieses kleine Problem hat mich schon oft in die unmöglichsten Situationen gebracht und sorgt stets wieder für herablassende Erheiterung in meinem Umfeld ("wenn du nicht sofort diesen Kommentar zurücknimmst, dann setze ich dich hier aus und du wirst drei Kilometer von deiner Wohnung entfernt elendiglich verhungern müssen").
Manchmal befürchte ich, daß der Teil des Gehirns den ganzen Platz wegnimmt, der dafür zuständig ist, nachts besonders wilde Geschichten zu produzieren, in Gesprächen in Sekundenbruchteilen besonders boshafte Kommentare zu liefern oder gelegentlich mal kurzweilige Blog-Einträge zu verfassen.
Da bleibt mir nur noch die Hoffnung, daß sich die Aussage Oscar Wildes aus "Eine Frau ohne Bedeutung" bewahrheitet: "Nichts hat im modernen Leben eine solche Wirkung wie eine gute Banalität."
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Kein Platz für den Hippokampus
2003-09-12
21:40
Mein Hirn ist entweder zu klein oder aber irgendwie partiell zu groß geraten, so daß der arme Hippokampus nicht genügend Raum zur Ausdehnung oder auch nur zur Erledigung einiger Grundfunktionen zur Verfügung hat (aber müßte sich das bei Hutgröße 60 nicht inzwischen an anderer Stelle positiv bemerkbar gemacht haben?). Zumindest legt das eine amerikanische Studie nahe, über die der Spiegel heute berichtet.Der Studie zufolge reagierten bestimmte Zellen im Hippokampus bei der Orientierungssuche der Test-Autofahrer, und bei Taxifahrern sei diese Hirnregion im Laufe vieler Dienstjahre in verwinkelten Städten sogar angewachsen, um dem Gehirn genügend Raum für das Anlegen einer inneren Karte zu verschaffen.
Mein Hippokampus, immer vorausgesetzt er kann überhaupt die erforderlichen Zellen aufweisen, scheint hingegen sofort in eine Art militante Verweigerungsstarre zu verfallen, sobald ich mich mehr als 500 Meter von meinem Wohnort entferne. Daran hat auch jahrelange regelmäßige Fahrpraxis nichts ändern können.
Ich muß eine Strecke, die mehr als zweimaliges Abbiegen erfordert, mindestens zehn Mal mit Hilfe einer Karte oder meines elektronischen Ersatz-Hirns fahren, bevor ich den Weg allein wiederfinde. Und falls ich dann dieselbe größere Straße durch Zufall mal in der anderen Richtung befahren sollte, glaubt bloß nicht, daß ich sie wiedererkennen würde. Mit mir in der Rolle des Rotkäppchens wäre das Märchen ganz anders ausgegangen, denn bis zum Haus der Großmutter wäre ich niemals gekommen. Statt dessen wäre ich wohl im Wald erfroren und hätte mir die letzten Stunden mit der Flasche Rotwein aus dem Korb versüßt.
Mein sonderbares Gehirn legt beim Autofahren oder Spazieren keine inneren Karten an, sondern speichert allenfalls bunte Momentaufnahmen meiner Umgebung ab, ohne sie jedoch in einen geographisch sinnvollen Zusammenhang zu bringen. Dia-Show statt Straßenkarte. Dieses kleine Problem hat mich schon oft in die unmöglichsten Situationen gebracht und sorgt stets wieder für herablassende Erheiterung in meinem Umfeld ("wenn du nicht sofort diesen Kommentar zurücknimmst, dann setze ich dich hier aus und du wirst drei Kilometer von deiner Wohnung entfernt elendiglich verhungern müssen").
Manchmal befürchte ich, daß der Teil des Gehirns den ganzen Platz wegnimmt, der dafür zuständig ist, nachts besonders wilde Geschichten zu produzieren, in Gesprächen in Sekundenbruchteilen besonders boshafte Kommentare zu liefern oder gelegentlich mal kurzweilige Blog-Einträge zu verfassen.
Da bleibt mir nur noch die Hoffnung, daß sich die Aussage Oscar Wildes aus "Eine Frau ohne Bedeutung" bewahrheitet: "Nichts hat im modernen Leben eine solche Wirkung wie eine gute Banalität."
emily - 2003-09-12 16:52:34
Ich finde einen Weg immerhin schon nach achtmaligem Befahren der Strecke.
Das mit der anderen Fahrtrichtung geht mir ebenso. Ich dachte bis dato, kaum ein Mensch sei noch so orientierungsdebil wie ich.
Zumindest kenne ich keinen in meinem direkten Umfeld.
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Ich finde einen Weg immerhin schon nach achtmaligem Befahren der Strecke.
Das mit der anderen Fahrtrichtung geht mir ebenso. Ich dachte bis dato, kaum ein Mensch sei noch so orientierungsdebil wie ich.
Zumindest kenne ich keinen in meinem direkten Umfeld.
Egbert - 2003-09-12 18:28:18
Aber dafür hat man... ähem, ne frau ja doch die Männer. Die helfen dann einem nicht nur in späteren Jahren über die Strasse sondern jetzt schon bringen sie einen auch mal nach Hause. Ich kenne sogar welche, die das ohne Hintergedanken und "Belohnung" tun (würden).
Und wenn Dein Orientierungssinn so ausgeprägt sein würde, wie Deine Fähigkeit zu schreiben, würde ich nie nie nie mit Dir weggehen wollen, weil ich mir auch dann ganz klein vorkommen würde.
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Aber dafür hat man... ähem, ne frau ja doch die Männer. Die helfen dann einem nicht nur in späteren Jahren über die Strasse sondern jetzt schon bringen sie einen auch mal nach Hause. Ich kenne sogar welche, die das ohne Hintergedanken und "Belohnung" tun (würden).
Und wenn Dein Orientierungssinn so ausgeprägt sein würde, wie Deine Fähigkeit zu schreiben, würde ich nie nie nie mit Dir weggehen wollen, weil ich mir auch dann ganz klein vorkommen würde.
cvd - 2003-09-12 18:30:46
Hier, wo die Hand leuchtet, ist noch so eine von der Art.
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Hier, wo die Hand leuchtet, ist noch so eine von der Art.
Susanne - 2003-09-13 01:43:20
Ahhhhh, das wissen wir doch schon längst, dass das Weib an sich mit Orientierung nicht zurecht kommt. Deshalb hats beim Mann doch auch nur einen sexuellen G-Spot, weil die anderen wären für immer und ewig unberührt. Tja, und dann gäbe es halt noch weniger offizielle Sexpartner. *gacker*
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Ahhhhh, das wissen wir doch schon längst, dass das Weib an sich mit Orientierung nicht zurecht kommt. Deshalb hats beim Mann doch auch nur einen sexuellen G-Spot, weil die anderen wären für immer und ewig unberührt. Tja, und dann gäbe es halt noch weniger offizielle Sexpartner. *gacker*
tanja - 2003-09-13 13:08:23
Immerhin bist Du in der Lage, eine Karte zu lesen und ein Navigationssystem zu bedienen. Das ist doch schon mal sehr viel mehr, als so mancher Mann auf die Reihe bekommt... *g*
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Immerhin bist Du in der Lage, eine Karte zu lesen und ein Navigationssystem zu bedienen. Das ist doch schon mal sehr viel mehr, als so mancher Mann auf die Reihe bekommt... *g*
Kaltmamsell - 2003-09-13 14:37:17
Muss ich mir jetzt auch von diesem Detail unter die Nase reiben lassen, dass ich keine echte Frau bin?! Ich finde mich überall zurecht und habe schon so manche männliche Begleitung damit aus der Fassung gebracht: "Aber hier waren wir doch erst einmal! Und das vor fünf Jahren!" Tuuuuuuut mir leid ...!
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Muss ich mir jetzt auch von diesem Detail unter die Nase reiben lassen, dass ich keine echte Frau bin?! Ich finde mich überall zurecht und habe schon so manche männliche Begleitung damit aus der Fassung gebracht: "Aber hier waren wir doch erst einmal! Und das vor fünf Jahren!" Tuuuuuuut mir leid ...!
Kaltmamsell - 2003-09-13 14:45:08
Muss ich mir jetzt auch von diesem Detail unter die Nase reiben lassen, dass ich keine echte Frau bin?! Ich finde mich überall zurecht und habe schon so manche männliche Begleitung damit aus der Fassung gebracht: "Aber hier waren wir doch erst einmal! Und das vor fünf Jahren!" Tuuuuuuut mir leid ...!
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Muss ich mir jetzt auch von diesem Detail unter die Nase reiben lassen, dass ich keine echte Frau bin?! Ich finde mich überall zurecht und habe schon so manche männliche Begleitung damit aus der Fassung gebracht: "Aber hier waren wir doch erst einmal! Und das vor fünf Jahren!" Tuuuuuuut mir leid ...!
Anke - 2003-09-14 02:54:51
Und wieder ein Lächeln auf meine Lippen gezaubert: "Stattdessen wäre ich wohl im Wald erfroren und hätte mir die letzten Stunden mit der Flasche Rotwein aus dem Korb versüßt." Schönschönschön.
PS: Ich finde Wege schon nach zweimaligem Befahren wieder. Aber lass mich nie, nie, nie alleine irgendwo hin, wo ich noch nie war. Oder stell dich drauf ein, dass ich ne Stunde zu spät komme, weil ich meinen Stadtplan wieder mal recht eigenwillig interpretiert habe.
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Und wieder ein Lächeln auf meine Lippen gezaubert: "Stattdessen wäre ich wohl im Wald erfroren und hätte mir die letzten Stunden mit der Flasche Rotwein aus dem Korb versüßt." Schönschönschön.
PS: Ich finde Wege schon nach zweimaligem Befahren wieder. Aber lass mich nie, nie, nie alleine irgendwo hin, wo ich noch nie war. Oder stell dich drauf ein, dass ich ne Stunde zu spät komme, weil ich meinen Stadtplan wieder mal recht eigenwillig interpretiert habe.
Lyssa - 2003-09-14 05:16:51
@Anke: Danke :-) Und ich muß Dir energisch widersprechen, schließlich warst Du ziemlich pünktlich am ominösen Ort der Rederei-Lesung.
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@Anke: Danke :-) Und ich muß Dir energisch widersprechen, schließlich warst Du ziemlich pünktlich am ominösen Ort der Rederei-Lesung.
alkhan - 2003-09-14 06:57:34
Gerade Gestern hat eine Bekannte von einer mehrtägigen Wanderung mit vier Freundinnen erzählt: eine Kreuzung, drei Richtungen, fünf Meinungen...
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Gerade Gestern hat eine Bekannte von einer mehrtägigen Wanderung mit vier Freundinnen erzählt: eine Kreuzung, drei Richtungen, fünf Meinungen...
Jim - 2003-09-14 10:49:51
Und ich dachte "Hippokampus" sei ein Versammlungsplatz für Nilpferde ... Mann lernt nie aus.
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Und ich dachte "Hippokampus" sei ein Versammlungsplatz für Nilpferde ... Mann lernt nie aus.
van - 2003-09-15 09:41:57
wer weiss, wie oft Anke schon in diesem ominösen viertel war, in dem die lesung stattfand, wenn sie doch so pünktlich war.. ;)
die studie mit londons taxifahrern ist so alt, wie die, die nachgewiesen hat, dass frauen sich im allgemeinen an bestimmte orientierungspunkte erinnern ("...bei der boutique marion geradeaus.... bis zum schuhladen, dann rechts, am friseur vorbei & ungefähr auf höhe des starbuck dann rechts rein.. et voilá!" männer dagegen: "geradeaus, die zweite links, dann über drei ampeln (dabei fussgängerampeln völlig ausser acht lassend) dann die dritte (oder die vierte?) rechts & schon sinze da frollein!" einer der gründe, warum ich mir weder von frauen noch von männern gern wegbeschreibungen liefern lasse..
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wer weiss, wie oft Anke schon in diesem ominösen viertel war, in dem die lesung stattfand, wenn sie doch so pünktlich war.. ;)
die studie mit londons taxifahrern ist so alt, wie die, die nachgewiesen hat, dass frauen sich im allgemeinen an bestimmte orientierungspunkte erinnern ("...bei der boutique marion geradeaus.... bis zum schuhladen, dann rechts, am friseur vorbei & ungefähr auf höhe des starbuck dann rechts rein.. et voilá!" männer dagegen: "geradeaus, die zweite links, dann über drei ampeln (dabei fussgängerampeln völlig ausser acht lassend) dann die dritte (oder die vierte?) rechts & schon sinze da frollein!" einer der gründe, warum ich mir weder von frauen noch von männern gern wegbeschreibungen liefern lasse..
hape - 2003-09-15 11:50:18
..... und dann sitzt man als Mann auf dem Beifahrersitz und hört die Fahrerin murmeln "...da muss doch jetzt das Schuhgeschäft kommen und dann geht´s rechts ab...".
Das Schuhgeschäft kommt und kommt und kommt aber nicht.
Kann es auch nicht. Es ist in Graz, wir aber sind in Salzburg unterwegs.
P.S.
Es gibt Situationen, in denen ich prinzipiell schweige! ;-)
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..... und dann sitzt man als Mann auf dem Beifahrersitz und hört die Fahrerin murmeln "...da muss doch jetzt das Schuhgeschäft kommen und dann geht´s rechts ab...".
Das Schuhgeschäft kommt und kommt und kommt aber nicht.
Kann es auch nicht. Es ist in Graz, wir aber sind in Salzburg unterwegs.
P.S.
Es gibt Situationen, in denen ich prinzipiell schweige! ;-)
Thomas - 2003-09-15 16:00:43
Vielleicht solltest du deinen Wagen Theseus taufen und auf Ariadnes Hilfe hoffen? Oder Brotkrumen ausstreuen?
Ich frag mich, wie du damals von mir nach Hause gefunden hast :-).
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Vielleicht solltest du deinen Wagen Theseus taufen und auf Ariadnes Hilfe hoffen? Oder Brotkrumen ausstreuen?
Ich frag mich, wie du damals von mir nach Hause gefunden hast :-).